Viele Professoren an Universitäten versuchen, neue Wege zu finden, um Studenten von der Sucht nach künstlicher Intelligenz fernzuhalten und ihre Fähigkeit zum kritischen Denken zu erhalten.
Einige von ihnen äußern sogar offene Frustration über Tools wie ChatGPT und sagen, dass die Technologie die Art und Weise, wie Schüler lesen, schreiben und lernen, grundlegend verändert.
Die Literaturprofessorin Lea Pao von der Stanford University experimentiert mit eher „analogen“ Lehrmethoden. Sie bittet ihre Studierenden, Gedichte auswendig zu lernen, diese öffentlich vorzutragen und Museen zu besuchen, um ihre Erlebnisse dort direkt zu beschreiben. Ziel ist es, ihnen das Lernen wieder auf haptische Weise nahezubringen und den Einsatz künstlicher Intelligenz zur Aufgabenerledigung zu vermeiden.

Das funktioniert allerdings nicht immer. In einem Fall bat sie Studenten, ein Museum zu besuchen und zehn Minuten lang über ein Gemälde zu schreiben, das sie dort betrachtet hatten. Ein Student reichte einen sehr ordentlichen Aufsatz ein, jedoch ohne jegliche persönliche Reflexion. Später stellte sich heraus, dass er das Museum an einem Tag besucht hatte, an dem es geschlossen war, und dass er eine KI zur Bearbeitung der Aufgabe verwendet hatte.
Befürchtungen um die Zukunft der Geisteswissenschaften
Während viele Forscher in den Natur- und Sozialwissenschaften KI als Werkzeug zur Steigerung der Produktivität und Unterstützung der Datenanalyse sehen, sind Geisteswissenschaftler skeptischer. Sie befürchten, dass die Technologie die grundlegenden Fähigkeiten der Studierenden im Lesen, Analysieren und Synthetisieren von Ideen schwächen könnte.
Die Literaturprofessorin Dora Zhang von der University of California Berkeley sagt, dass es bei der Diskussion über KI mit Studenten heute nicht mehr nur um Plagiat oder akademische Integrität geht, sondern um eine größere Frage: Was macht diese Technologie mit der Menschheit?
Sogar der Professor und Schriftsteller Michael Clune warnt davor, dass einige Studenten bereits jetzt ernsthafte Schwierigkeiten beim Lesen und Analysieren längerer Texte haben.
Universitäten setzen auf Technologie
Viele Universitäten investieren jedoch zunehmend in künstliche Intelligenz. Einige haben KI-Studiengänge entwickelt oder die Technologie in nahezu alle Fachbereiche integriert.

Mehrere Institutionen sind Partnerschaften mit OpenAI für Forschungsprojekte eingegangen, während andere Universitäten neue Studiengänge in diesem Bereich entwickeln.
Diese Situation hat für Professoren ein Paradoxon geschaffen: Einerseits fördern die Universitäten den Einsatz von KI, andererseits sehen sie sich mit Studenten konfrontiert, die Essays einreichen, die innerhalb von Sekunden von einer Maschine erstellt wurden.
Versuche zur Einschränkung der Nutzung
Um die akademische Integrität zu wahren, haben einige Professoren damit begonnen, neue Bewertungsmethoden anzuwenden: mündliche Prüfungen, handschriftliche Notizen, Klassendiskussionen und Transparenzerklärungen, in denen die Studierenden ihren Arbeitsprozess erläutern.
Manche bauen sogar zufällige Wörter in die Aufgaben ein, um festzustellen, ob die Schüler die Anweisungen direkt in einen Chatbot eingegeben haben.
Umfragen zeigen jedoch, dass bis zu 92 % der Studierenden künstliche Intelligenz in ihren akademischen Arbeiten eingesetzt haben.
Auch die Studenten werden skeptisch.
Trotz der weitverbreiteten Nutzung berichten einige Professoren, dass Studierende zunehmend besorgt über die Auswirkungen der Technologie auf ihr Leben sind. Manche haben das Gefühl, Teil eines großen sozialen Experiments zu sein.

Laut den Professoren besteht die größte Herausforderung nicht nur in der Technologie, sondern auch in der Bewahrung grundlegend menschlicher Eigenschaften: Kreativität, Reflexionsvermögen und die Fähigkeit zum selbstständigen Denken.
Am Ende gilt, wie ein Professor sagt: Die Technologie mag unaufhaltsam sein, aber die Menschen können immer noch selbst entscheiden, wie sie leben und lernen wollen – und sich dafür entscheiden, menschlich zu bleiben. /GazetaExpress/