Eine neue Ausstellung in New York wirft Licht auf das Privatleben des legendären Beat-Autors Jack Kerouac und zeigt Briefe und persönliche Gegenstände, die noch nie zuvor öffentlich ausgestellt wurden.
Die im Grolier Club organisierte Ausstellung „Running Through Heaven: Visions of Jack Kerouac“ hat zum Ziel, eine menschlichere Seite des berühmten Autors zu zeigen, jenseits des Mythos des Straßenrebellen, der mit seinem berühmten Roman „On the Road“ verbunden ist.
Das Buch, das die amerikanische Literatur veränderte
Der 1957 erschienene Roman wurde zu einem wegweisenden Werk der Beat Generation und schildert Kerouacs Reisen durch die Vereinigten Staaten mit seinen Schriftstellerfreunden, darunter Allen Ginsberg, William S. Burroughs und sein charismatischer Freund Neal Cassady. Das Buch hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf die amerikanische Literatur und machte Kerouac zu einer Ikone der Gegenkultur.
Die Ausstellung will jedoch zeigen, dass Kerouac jenseits des Rebellenimages ein viel komplexerer Mensch war.
Zuvor unveröffentlichte Briefe
Die Ausstellungssammlung gehört dem Sammler und Historiker Jacob Loewentheil, der zahlreiche Dokumente des Autors zusammengetragen hat.

Darunter befinden sich Briefe, die Kerouac während seines Studiums an der Columbia University schrieb, kurz nachdem er seine Heimatstadt Lowell, Massachusetts, verlassen hatte. In diesen Briefen spricht er über die Bücher, die er las, und seine Gedanken als junger Schriftsteller.
Laut Loewentheil zeigen diese Schriften auch die ersten Experimente mit dem Stil, der ihn später berühmt machen sollte: die spontane Prosa.
Ein gewöhnlicheres Leben, als du denkst
Die Ausstellung umfasst auch persönliche Gegenstände des Autors – wie einen Glasaschenbecher mit Zigarettenasche, Haushaltskleidung und andere Alltagsgegenstände. Diese Details stellen das romantische Bild des abenteuerlustigen Schriftstellers infrage.
„Kerouac verbrachte die meiste Zeit zu Hause“, sagt Loewentheil und merkt an, dass sein Leben in Wirklichkeit viel bescheidener war. Die Ausstellung zeigt auch eine Arbeitsliste von 1953, aus der seine Arbeitsstunden und sein Lohn als Eisenbahnarbeiter hervorgehen – ein Beleg für sein Leben mit geringem Einkommen.

Datenschutzfragen
Die ausgestellten persönlichen Dokumente werfen ebenfalls Dilemmata auf: Sollten die privaten Briefe als Teil von Kerouacs literarischem Werk betrachtet werden? Und ist es richtig, dass sie von der Öffentlichkeit gelesen werden?
Loewentheil selbst gibt zu, dass es ihm manchmal seltsam vorkommt, solche persönlichen Gegenstände eines anderen Schriftstellers zu besitzen.
Das Geheimnis um sein Privatleben
Kerouacs Privatleben und seine Sexualität gehören zu den Themen, die immer wieder für Aufsehen sorgen. Laut Loewentheil deuten die Notizen und Tagebücher des Autors darauf hin, dass er möglicherweise innere Konflikte hatte oder eine komplexere sexuelle Identität besaß. Ihn jedoch in eine Schublade zu stecken, wäre verfehlt.
„Viele Menschen wollen wissen, was in seinem Privatleben vor sich ging“, sagt er, fügt aber hinzu, dass ein Teil des Geheimnisses erhalten bleiben müsse.

Eine wiederentdeckte Ikone
Die Ausstellung findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem ein berühmtes Manuskript des Romans „On the Road“ – eine 37 Meter lange Papierrolle, auf der Kerouac die erste Fassung des Werkes verfasste – voraussichtlich versteigert werden soll.
Für Loewentheil ist dieses Dokument eine der Grundlagen der amerikanischen Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg und sollte Teil des kulturellen Erbes bleiben.
Letztlich zielt die Ausstellung darauf ab, das stereotype Bild des rebellischen Schriftstellers abzuschwächen. Laut Loewentheil zeigen die Briefe einen viel romantischeren, sensibleren und gefühlvolleren Kerouac, als es der öffentliche Mythos vermuten lässt. /GazetaExpress/