Die schwedische Künstlerin Hilma af Klint starb 1944 in dem Glauben, die Welt sei noch nicht bereit für ihre mystischen Werke, die Jahrzehnte später die Kunstwelt schockieren und die Geschichte der Abstraktion neu schreiben sollten.
Heute gilt sie als eine der Pionierinnen der abstrakten Kunst, noch vor Namen wie Wassily Kandinsky, Piet Mondrian und Kasimir Malewitsch. Zu Lebzeiten strebte sie jedoch nicht nach öffentlicher Anerkennung, da ihre avantgardistischen Werke von ihren Zeitgenossen abgelehnt wurden.
Mehr als 80 Jahre nach ihrem Tod erhält Amy af Klint nun ihre erste große Einzelausstellung in Frankreich, organisiert vom Grand Palais und dem Centre Pompidou. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht ihr berühmter Zyklus „Gemälde für den Tempel“, der in Zusammenarbeit mit einer Gruppe spirituell engagierter Frauen mit utopischen Visionen entstand.


Kurator Pascal Rousseau betont, dass die Künstlerin in Frankreich jahrzehntelang übersehen wurde und dass diese Ausstellung Teil einer umfassenderen internationalen Auseinandersetzung mit der Rolle der Frau in der modernen Kunst ist.
Die 1862 geborene Alec af Klint gehörte zu den ersten Frauen, die an der Königlichen Akademie der Schönen Künste in Stockholm zugelassen wurden. Sie absolvierte eine Ausbildung zur klassischen Malerin, doch ein Großteil ihrer wichtigsten Werke entstand innerhalb der spirituellen Gruppe „Die Fünf“ und der Theosophischen Gesellschaft, die im späten 19. Jahrhundert mystische und esoterische Ideen propagierte.
Sie glaubte an Engel, Reinkarnation und Botschaften aus anderen Welten. Laut Forschern war es diese spirituelle Welt, die ihre außergewöhnlich originelle Kreativität beflügelte.
Af Klint malte auch traditionelle Porträts und Landschaften für die Öffentlichkeit, doch ihre abstrakten Werke hielt sie geheim, da sie überzeugt war, dass diese nicht verstanden würden. Vor ihrem Tod verfügte sie, dass über 1,200 Gemälde und 126 Skizzen 20 Jahre lang nicht ausgestellt und niemals verkauft werden sollten.


Jahrzehntelang blieben ihre Werke unbekannt. Erst 1986 wurden sie erstmals außerhalb Schwedens, in Los Angeles, ausgestellt. Eine große Ausstellung in Stockholm im Jahr 2013 brachte ihr schließlich internationale Aufmerksamkeit.
Heute betonen Wissenschaftler, dass die Geschichte der abstrakten Kunst neu betrachtet werden muss, da ihr Beitrag zu lange ignoriert wurde. Ihre Werke, darunter die monumentale Serie „Die zehn Größten“, zählen zu den wichtigsten der modernen Kunst und gehören aufgrund ihrer Fragilität vielleicht zu den letzten, die in ihrem jetzigen Zustand erhalten bleiben. /GazetaExpress/