Ruhm kann Geld, Bewunderung und ein Leben im Rampenlicht mit sich bringen – aber er kann auch das Leben verkürzen. Eine neue Studie hat ergeben, dass berühmte Sänger im Durchschnitt vier Jahre früher sterben als Künstler, die es nicht zum Star schaffen.
Forscher der Universität Witten/Herdecke verglichen Daten von 648 Sängerinnen und Sängern, von denen die Hälfte internationale Berühmtheit erlangt hatte und die andere Hälfte weniger bekannt war. Die Vergleiche erfolgten anhand von Geburtsjahr, Geschlecht, Nationalität, ethnischer Zugehörigkeit, Musikrichtung und der Zugehörigkeit zu einer Band oder als Solokünstler.
Das Ergebnis war eindeutig: Berühmte Künstler hatten eine durchschnittliche Lebenserwartung von bis zu 75 Jahren, während weniger berühmte Kollegen bis zu 79 Jahre alt wurden.


Laut Forschern sind die Gefahren des Ruhms so ausgeprägt, dass sie mit den gesundheitlichen Folgen des Rauchens vergleichbar sind.
Der Stress des Ruhms, der öffentliche Druck und der Drogenmissbrauch
Beispiele für Tragödien in der Musikwelt gibt es viele – von Janis Joplin und Jimi Hendrix bis hin zu Whitney Houston, Amy Winehouse, Prince und Ian Curtis. Die Studie legt nahe, dass Ruhm „einzigartigen psychosozialen Stress“ mit sich bringen kann, während der Leistungsdruck, die öffentliche Aufmerksamkeit, der Verlust der Privatsphäre und die ständige öffentliche Beobachtung schädliches Verhalten wie Alkohol-, Drogen- oder anderen selbstzerstörerischen Konsum begünstigen können.
Die Autorin der Studie, Johanna Hepp, weist darauf hin, dass einige Künstler möglicherweise schon vor ihrem Ruhm Traumata oder emotionale Probleme hatten – und der Ruhm erhöht die Risiken nur noch.
Ruhm garantiert trotz Reichtum keine Gesundheit.
Eine der überraschendsten Erkenntnisse der Studie ist, dass Ruhm auch die Vorteile überschattet, die üblicherweise mit Reichtum einhergehen – wie bessere Gesundheitsversorgung, qualitativ hochwertige Lebensmittel oder Möglichkeiten zur körperlichen Betätigung. Reich und berühmt zu sein bedeutet also nicht zwangsläufig ein längeres Leben.


Die Studie ergab außerdem, dass Solokünstler im Vergleich zu Künstlern, die in einer Gruppe auftreten, einem noch größeren Risiko eines vorzeitigen Todes ausgesetzt sind, und zwar aufgrund von Isolation, mangelnder Unterstützung und größerem individuellem Druck.
Das Risiko hängt nicht nur vom Alter von 27 Jahren ab.
Andere Studien haben den Mythos des „Club 27“ widerlegt, der besagt, dass Künstler in diesem Alter häufiger sterben. Obwohl Musiker im Allgemeinen eine kürzere Lebenserwartung haben als andere Prominente, gibt es keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass das Alter von 27 Jahren ein besonderes Risiko darstellt. Todesfälle in diesem Alter erhalten jedoch tendenziell mehr mediale Aufmerksamkeit.


Gibt es eine Lösung?
Experten raten Künstlern im Rampenlicht, psychologische Unterstützung in Anspruch zu nehmen, einen Gang zurückzuschalten, den Kontakt zu ihren Lieben zu pflegen und ihren Lebensstil zu überdenken, um schädliche Bewältigungsmechanismen zu vermeiden.
„Regelmäßige Distanzierung vom Ruhm und die Rückkehr zu einem sicheren sozialen Umfeld – Familie und Freunde – können schützend wirken“, sagt Dr. Hepp. /GazetaExpress/